1947 zwingt wirtschaftliche Not zum gemeinsamen Handeln

Anfang des 20. Jahrhunderts war man - zeitgleich mit vielen anderen Berufsgruppen - bemüht, in der Kunst die Vertretung beruflicher und gesellschaftlicher Interessen durch den Zusammenschluß in Solidargemeinschaften zu ermöglichen. 1933 erfolgte die zentrale Gründung der "Reichskammer der bildenden Künste" in Berlin.
In dieser Institution bestand nun für jeden Künstler Zwangsmitgliedschaft.

1947.
1947 ist in ganz Europa ein Jahr der Wirtschaftskrise, der Armut und - besonders in Deutschland - ein Jahr des Hungers, wie er schlimmer nicht einmal in den letzten Kriegsjahren war.
Regelmäßig trafen sich die glücklich Heimgekehrten, die Überlebenden des Krieges und die Vertriebenen bei der Lebensmittelkartenausgabe für Künstler am Germanischen Museum in Nürnberg und beschlossen einen Neuanfang mit der Gründung eines Künstlerverbandes zu beginnen.
Dabei war es vor allem die wirtschaftliche Not, die zum gemeinsamen Handeln zwang.

    Gründungsmitglieder:

  • Prof. Gerhard G. Dittrich
  • Hans Feldkirchner
  • Carl Grampp
  • Ludwig Kleeberger
  • Josef Kuffmüller
  • Sepp Roth
  • Bruno Tanzer
  • Karl Walter

Es waren die Künstler der Christlichen Künstlergilde Nürnberg die einen Ausschuss bildeten, der die Gründung vorbereitete und die Lizenzierung bei der Militärverwaltung und den staatlichen und städtischen Dienststellen vorantrieb. Aufgrund der einschneidenden Erfahrungen aus dem Dritten Reich mit der Reichskunstkammer, beschloss man die demokratische Form eines eingetragenen Vereins zu wählen.

Am 21. Juni 1947 wurde auf einer Mitgliedervollversammlung die Gründungssatzung verabschiedet und nach Prüfung durch die amerikanischen Militärverwaltung genehmigt.

Lizenz durch den Stadtrat und die Genehmigung durch die Militärregierung

Der Verein nannte sich Berufsverband freier Künstler Nürnberg.

Vorsitzender wurde Dr.Ing Dr.jur. Dietrich Maul, Lauf. Geschäftsführender Vorsitzender wurde Architekt Gerhard G. Dittrich und Geschäftsführer sein Bruder Martin Dittrich.

Die Geschäftsstelle war am Unschlittplatz 1a.

Versammlungsort der Aufnahmejury war anfangs die Nürnberger Gaststätte "Krokodil".

Die erste Ausstellung fand im Frühjahr 1948 in der Fränkischen Galerie am Marientor statt.

Mitglieder waren Bildende Künstler, Journalisten, Architekten, Musiker, Schriftsteller aus ganz Franken und der Oberpfalz. Mitglieder des Künstlerbund Rothenburg o.d.T., der Sezession Neustadt a.d.A. und Ansbach traten in den folgenden Jahren fast vollständig dem BFK bei.

Anfangs waren die Aufgaben des Berufsverbandes sehr praktischer Art: man wickelte die Ausgabe bezugsberechtigter Materialien ab (Hartfaserplatten, Leim, Bilderrahmen, Glas und Plakatfarbe), stempelte Arbeitsregistrierkarten ab, stellte Dienstreisebescheinigungen für Fahrten mit der Reichsbahn aus, vermittelte Zeitungsabonnements, veranstaltete Aktkurse und traf sich jeden Dienstag im Rathauskeller Nürnberg zum Stammtisch.



1950 benannte sich der Berufsverband Freier Künstler um in den den Berufsverband Bildender Künstler, den BBK.

Aktuelles BBK Logo
Aktuelles BBK Logo

Der BBK Nürnberg suchte bald die Bindung an den Landesverband Bayern und an den 1972 gegründeten Bundesverband. So wurde aus dem anfangs wirtschaftlichen Zusammenschluss heute ein mehr kulturpolitisch orientierter Verband. Aus der ursprünglichen Notgemeinschaft hat sich eine aktive berufsständische Vertretung entwickelt.

"Der BBK ist aus der deutschen Kunstszene samt ihren internationalen Verknüpfungen nicht mehr wegzudenken. Ohne ihn gäbe es weder eine soziale Absicherung noch die vielfältigen Bemühungen, künstlerische Kompetenz in möglichst viele gesellschaftliche Bereiche einzubringen. Der Berufsverband ist unabdingbarer Teil unserer florierenden Kunstlandschaft." Zitat ehem. Rektor der Hochschule der Künstle in Berlin, Lothar Romain

Beginnend in Hannover im Oktober 1945 entstanden unter dem Eindruck der Naziherrschaft und den Folgen des II. Weltkrieges in den drei Westzonen in schneller Folge neue Künstlerverbände

Die Geschichte des BBK Bundesverbandes (Gründung 1972)

In Bamberg trafen sich am 2.5.1947 im Café Müller 57 Künstlerinnen und Künstler und gründeten den BBK Ober- und Unterfranken.



Bilder aus der Geschichte des BBK


Bekannte Mitglieder

Gerhard G. Dittrich
Baurat in Nürnberg. Erbauer der Siedlungen Zollhaus, Neuselsbrunn, Herrnhütte und Reichelsdorf-Nord. Vor allem die Parkwohnanlage am Planetenring in Zollhaus wurde vorbildlich.
Neben der lichten, parkähnlichen Bauweise wurde die Siedlung mit Kunstwerken von BBK Künstlern (Hella Rossner-Böhnlein, Werner Ramser, Leo Birkmann, Leo Smigay) und anderen gefüllt. Die Kunstwerke sollten dabei ganz gezielt ihren Beitrag zur Erhöhung der Wohn- und damit Lebensqualität leisten.
Gerhard G. Dittrich war von 1947-1972 geschäftsführender Vorsitzender des Berufsverbandes.


Ludwig Dörfler (1905-1992)
Ludwig Doerfler, BBK Mitglied
Der bekannte Maler, Zeichner und Grafiker lebte und arbeitete in Schillingsfürst.
Sein Atelierhaus, das ehemalige Fürstliche Herrschaftsgericht (und spätere Bayerische Landgericht) in Schillingsfürst, ist heute ein Museum und verwaltet seinen gesamten Nachlass von 2.200 Bildern.


Michael Mathias Prechtl (1926-2003)
Michael Matthias Prechtl
Selbstbildnis

Zu den profiliertesten und bekanntesten deutschen Künstlern des 20. Jahrhunderts gehört der Maler und Grafiker Michael Mathias Prechtl.
Als hintersinniger Buchillustrator, provokanter Plakatkünstler und politisch denkender Gestalter von Titelseiten etwa des "Spiegel" und der "New York Times" war er international anerkannt.
Die Stadt Nürnberg ehrte ihn 1974 mit ihrem Kulturpreis.
Im BBK war er jahrelang Mitglied des Hauptausschusses und der Aufnahmejury.


Alois Wünsche-Mitterecker (1903-1975)
Figurenfeld in Eichstätt von Alois Wünsche-Mitterecker
Figurenfeld in Eichstätt

Sein Lebenswerk steht in Eichstätt. Als Mahnmal gegen die Sinnlosigkeit des Kriegs schuf er 78 überlebensgroße Plastiken, die sich zu einem unwirklichen Schlachtfeld in der kargen Juralandschaft bei Eichstätt fügen.
Das Figurenfeld wurde eine Warnung vor dem Krieg, ein Mahnmal der Hinfälligkeit des Menschen und seiner gewalttätigen Bestrebungen.
In über 20 Jahren von 1958 bis zu seinem Tod schuf der Bildhauer und Maler Alois Wünsche-Mitterecker dieses bizarre Lebenswerk.


Weitere bekannte Namen: Leo Birkmann, Konrad Ehmann, Hella Rossner-Böhnlein
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